Kinder lernen Leben in Eurode kennen
Aachener Nachrichten, 27.05.08
Kerkrade und Herzogenrath sind zwei eigenständige Städte. Dass sie historisch gesehen und auch sonst eigentlich eine einzige, gemeinsame Stadt darstellen, ist vielen Bürgern oftmals nicht bewusst. Den Viertklässlern der Grundschule Bierstraß ging es da lange Zeit nicht anders. Grundschüler aus Herzogenrath-Straß machten sich jetzt ein Bild vom deutsch-niederländischen Miteinander.
Doch hat sich das geändert. Um die niederländischen Nachbarn und deren Gepflogenheiten kennenzulernen und ein Gefühl für Europa zu entwickeln, nehmen viele Schüler seit der zweiten Klasse an einem Projekt teil, das ihnen all das näherbringen soll.
Das Ganze geschieht im Rahmen der Initiative «Eurobabel», die seit etwa zehn Jahren an allen Herzogenrather Schulen grenzüberschreitende Projekte fördert. «Die Kinder sollen die kulturellen Unterschiede erfahren, aber auch geschichtliche Gemeinsamkeiten kennen lernen», sagt Jolanda Hoppe.
Ein Kind der Beraterin der Firma «Roda Consult» besucht selbst die Grundschule Bierstraß. Der Mutter, einer gebürtigen Niederländerin, liegt der nachbarschaftliche Austausch am Herzen, weshalb sie sich vor einiger Zeit angeschickt hat, ein Konzept zu entwickeln, das letztlich im aktuellen Eurobabel-Konzept der Schule mündete.
Dabei können Schüler ab der zweiten Klasse Einblicke in die niederländische Sprache und Kultur erhalten. «Wir führen die Kinder langsam heran», sagt Schulleiterin Gül Coskun-Dreßen. «Es wird viel mit niederländischen Kinderbüchern, Liedern und dergleichen gearbeitet. So sollen die Schüler mit dem Klang der fremden Sprache vertraut und dazu ermutigt werden, selbst die Sprache zu sprechen.»
Den Sprachunterricht hat Coskun-Dreßen selbst übernommen und ein halbes Jahr lang Unterstützung von einer ehrenamtlichen Helferin erhalten.
Auf Dauer sei dies allerdings keine Lösung. «Die Umsetzung unseres Projekts stockt mangels finanzieller Hilfe.» Solch ein Projekt könne keine Grundschule alleine bewältigen. Sie setzt ihre Hoffnungen daher auf die Politik.
Bei Ausflügen erhalten die Kinder hautnahe Eindrücke vom Leben in der Grenzregion. Jüngst ist eine Gruppe der Grundschule Bierstraß mit ihrer Schulleiterin und Jolanda Hoppe die - nicht eben kurze - Neustraße entlang gewandert. Ziel der Wanderung war das Eurode Business Center (EBC), das die Zusammenarbeit zwischen Herzogenrath und Kerkrade repräsentiert wie kein anderes Gebäude.
«Wow, ist das schön hier!» Die überwiegend zehnjährigen Schüler staunten nicht schlecht, als sie bemerkten, dass die Grenze zwischen Deutschland und den Niederlanden genau durch das Gebäude verläuft. Im EBC wurde die Gruppe von Bürgermeister Christoph von den Driesch erwartet. Der hatte zwar eigentlich eine Rede vorbereitet, aber inmitten der wissbegierigen Schüler ließ er sie kurzerhand unter den Tisch fallen und erzählte den Kindern aus dem Stegreif so manches über Eurode.

Die jungen Bürger zeigten sich dabei bestens informiert. Johnny wusste etwa, dass es früher einmal entlang der Neustraße eine Grenze gab. Jan erzählte von Schmugglern, die lange Zeit Waffen, Brot und allerhand andere Dinge über die Grenze geschafft haben.
Nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister, der sogar Autogramme schreiben musste, besuchten die Kinder die Eurode-Lernwerkstatt, einen Lernraum innerhalb des EBC. Und ohne einen Besuch der deutsch-niederländischen Polizeiwache im Gebäude ging keines der Kinder nach Hause.
Sie alle haben verstanden, dass es von Vorteil ist, Niederländisch zu sprechen. Vor allem, wenn man dort arbeiten möchte. So wie Jonas: «Ich will Fußballprofi werden. Wenn ich Niederländisch spreche, kann ich auch bei holländischen Vereinen spielen!»
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